caethe

Biografie

„Das Leben ohne Ziel ist Vagabundieren“ Seneca

 

„Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Es ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden.“ Paul Auster

 


CÄTHE ist ein Mensch auf der steten Suche. Nach Glück, nach Liebe, nach Erkenntnis. Jetzt ist sie erst einmal angekommen. Die Rede ist nicht von Berlin, ihrer neuen Wahlheimatstadt, in der sie seit knapp einem Jahr lebt. Die Rede ist von ihrer künstlerischen Mission, denn mit ihrem dritten Studioalbum „Vagabund“, das in diesem Frühherbst (VÖ: 2.10.) erscheint, hat sich die 32-jährige Sängerin und Songwriterin nicht nur neu erfunden, sondern ist auch ganz bei sich selbst angekommen. Das soll keineswegs die Bedeutung der beiden Vorgängeralben schmälern, bei denen jedes für sich eine geradezu zeitlose Klasse offenbarte und die sich beide auf Anhieb in den deutschen Charts platzieren konnten.

 

Mit ihrem Debütalbum „Ich muss gar nichts“ war CÄTHE vor vier Jahren aus dem Stand ein ganz großer Wurf gelungen. „Ich muss gar nichts“ war eine Sternengeburt – explosiv, farbenfroh und nahezu universell. Allein die Kraft ihrer unverwechselbar markanten Stimme, die in Songs wie „Unter meiner Haut“, „Tiger Lilly“ oder „Ding“ besonders stark zum Ausdruck kam, liess aufhorchen. Da präsentierte sich eine ganz neue Farbe am deutschen Popfirmament. Authentisch, wahrhaft und mit dem Mut zur schonungslosen Ehrlichkeit. Neben ihrem Furor, mit „Unter meiner Haut bin ich nur ein kleiner Punk“ trefflich auf den Punkt gebracht, schimmerte durch diesen sprachgewaltigen Erstling aber auch immer wieder eine fragile Persönlichkeit durch, eine empfindsame Seele. Dass ihr fraglos riesiges Talent, das wie ein zukunftsweisendes Versprechen wirkte, sowohl mit dem Autorenpreis der GEMA in der Kategorie Rock (2012) als auch mit dem renommierten Fred-Jay-Preis (2013) honoriert wurde, kann als Bestätigung eines rundum gelungenen Debüts gelesen werden. Ein ums andere Mal unterstrichen CÄTHE und ihre Bandmusiker mit überzeugend dynamischen Konzerten, was in ihnen steckt.

 

„Verschollenes Tier“, das zwei Jahre später veröffentlichte Folgewerk, präsentierte eine ganz andere CÄTHE. Die elektronisch konnotierten Songs waren äußerst komplex aufgebaut, bereichert und verziert mit einer ausufernden Palette an Sounds und Stimmungen, Elementarteilchen von Rock, Folk und Blues, Electro, Pop und Postmoderne, zusammengefügt zu einem bizarren Klangpuzzle, durch das CÄTHEs Stimme zwischen geheimnisvollem Schnurren, waidwundem Flehen und grimmigem Wüten geradezu instinktiv lustwandelte. Hier zeigt sich, wie einmalig und packend die Skala ihrer stimmlichen Möglichkeiten ist. Die Songtexte waren weniger aus dem Bauch heraus erstanden, sondern eher elaborierte Lebensbetrachtungen und Erzählungen, die mit rätselhaften Metaphern trumpften und musikalisch zwischen Kontemplation und Euphorie wechselten. Eingerahmt zwischen den bahnbrechenden Songs „Hoch oben nah dem Sturm“ und „Mein Herz mit dir bin ich frei“ brillierte „Verschollenes Tier“ als eines der besten deutschsprachigen Alben dieses Jahrgangs.

 

Jetzt also „Vagabund“, ein Streifzug durch Seelenlandschaften und Befindlichkeiten, rein musikalisch eine Reise zurück zu den eigenen Ursprüngen, inhaltlich eher eine ebenso kluge wie facettenreiche Bestandsaufnahme des eigenen Gefühlshaushalts, also eine neuerliche Gratwanderung mit dem Bestreben, das ganz Persönliche zum nachvollziehbaren Allgemeingut zu machen. Auf „Vagabund“ dominieren die Gitarren, geben wohltemperierte Singer-Songwriter-Preziosen den Ton an. „Ich habe mich gefragt, wohin ich diesmal meine Fühler ausstrecken soll“, so CÄTHE. „Es war mein Wunsch, ein Gefühl der Unmittelbarkeit zu schaffen.“ Vielleicht so wie ihr 2013 in den Emil Berliner Studios eingespielte Direct-2-Disc-Vinylalbum „Live“, Zeugnis einer hoch konzentrierten Performance. „Vagabund“ entstand ebenfalls nahezu unter Live-Bedingungen mit Unterstützung des Produzenten Stephan Gade (Niels Frevert) in dem legendären Hamburger Hafenklang-Studio.

 

CÄTHE erklärt die Intention zu ihrem neuen Album unter anderem mit ihrem Aufbegehren gegenüber die an sie gerichteten Erwartungshaltungen: „Ich hatte einfach keine Lust mehr traurig zu sein oder hysterisch, geheimnisvoll oder abstrakt. In mir drin lebt eine einfache Geradeaus-Person mit viel Charme und Witz. Entscheidend ist auch die Ironie.“ Im Gegensatz zu dem letzten Album, bei dem viele Songs akribisch am Rechner komponiert wurden, hat CÄTHE diesmal vornehmlich zur Gitarre gegriffen und sich auf früheste Einflüsse besonnen, die ungefähr da einsetzen, wo sie mit zwölf Jahren im Auto ihres Vaters „Mercedes Benz“ von Janis Joplin hörte. Dass sie eine besonders starke Affinität zu der Musik der Woodstock-Generation hat, hat sie immer wieder verlauten lassen, kam aber bei ihren eigenen Songs bis dato kaum zur Geltung. Das hat CÄTHE jetzt definitiv nachgeholt, gleichwohl auf ihre ganz eigene Art und Weise.

 

Das beginnt schon mit dem mit ungemeiner Lässigkeit vorgetragenen Opener „So oder so“, bei dem die Gitarren und der Beat Aufbruchsstimmung verbreiten; dieser wohltemperierte Popsong strandet in einen Refrain, der so stark ist, dass er den Song zur potentiellen Single macht – auch wenn es da noch einige andere Kandidaten gibt. Geradezu anmutig und folkloristisch kommt „Stille Demut“ daher, ein zarter Song, in dem sich die Befindlichkeit einer empfindsamen Seele ausbreitet wie auf einem lichten Klangaquarell. „Scheitern kann ich auch allein“ taucht ein in wunderschöne Melancholie, begleitet von Western-Twang-Gitarre und von einem Flussbett voller Streicher. Eine Ballade in Cinemascope.

 

„Glaub mir, Honey“, eine pointierte Abrechnung mit einem Liebhaber, gehört zu den wenigen älteren Stücken auf dem Album. Bei keinem anderen Song ist der Einfluss der Woodstock-Generation von Joplin und Melanie so frappant wie bei dieser Singer-Songwriter-Perle, die auch einen Hauch von dylaneskem Charme verbreitet. Die emotionale Antipode zu diesem Song ist „Halleluja“ ein heftiges Liebesmantra inklusive Sitar-Begleitung, in dem Cäthe dieses unbeschreibliche Gefühl des vor lauter Glück die Welt umarmen Wollens in ein harmonietrunkenes Crescendo steigert. Der Titelsong „Vagabund“ dagegen ist tagträumerische Selbstreflexion, ein Selbstporträt eines rastlosen Geistes, aber auch ein Plädoyer für die Freiheit, sich ziellos treiben zu lassen.

 

„Unter Palmen“ ist Song gewordene Leichtigkeit, eine Aufforderung den Moment zu genießen und die guten Gelegenheiten beim Schopfe zu ergreifen: ein poetisches Patentrezept, sein Glück zu finden – vielleicht einer der lockersten und fröhlichsten Songs in ihrem bisherigen Schaffen. „Yeah Yeah“, entstanden auf einer Reise durch Frankreich, ist sicher einer der schönsten Songs des Albums, irgendwo zwischen beschwingtem Chanson und sanftem Wiegenlied, eine frei assoziierte Ode an die Leichtigkeit des Seins, ein von Glockenspiel umranktes Laissez-Faire. Bei aller feinen Melancholie, die hier durchschimmert, strahlt definitiv die sonnige Seite von CÄTHE durch.

 

Doch es gibt auch die bittersüßen Momente. „Foto im Portemonnaie“ etwa ist eine Reminiszenz an den aus dem eigenen Leben verschwundenen Stiefvater, zu dem der Kontakt abgebrochen ist. Die Kunst, einen Verlust zu verarbeiten, eine emotionale Leerstelle zu füllen, setzt CÄTHE in dem rührenden Song perfekt um. Erinnerungskultur einmal anders. „Müder Drache“ schildert in einem in Saft und Kraft stehenden Tango-Beat mit herrlicher Tex-Mex-Gitarre den inneren Kampf mit den eigenen Dämonen – und klingt dabei durchaus selbstironisch. „Die zu werden die wir sind“ ist der einzige richtige Rocksong des neuen Albums, zumindest in dem explosiven Refrain. Ein Appell für den Mut, selbstbewusst sein Leben zu verwirklichen.

 

Da wären wir schon bei „Junge aus Sand“, der novellenhaften Beschreibung eines Tages am Meer. Ein akustisches Kleinod mit einer Akustikgitarre als treibendem Element. Ein verträumtes Liebesidyll wird hier heraufbeschworen, bei dem sich die Bilder im Kopf wie von selbst einstellen. CÄTHE ist eben auch eine begnadete Geschichtenerzählerin.

 

Bei vielen Songs stellt sich das Gefühl ein, dass man gut daran täte, zu ihnen durchs hohe Gras zu streifen. Denn es geht fast immer um die Suche nach Glück, um unsere Vorstellungen von Liebe, mal voller Sehnsucht, mal nachdenklich, mal stürmisch, mal verinnerlichend.

 

Mit ihrer Band, die seit nunmehr fünf Jahren in dieser Besetzung zusammenspielt, ist CÄTHE sehr glücklich. Hier stimmt einfach die Chemie aus Freundschaft und gemeinsamer Leidenschaft. Mit dem Bassisten Florian „Flozze“ Eilers ist sie schon seit den Tagen im Hamburger Popkurs befreundet und er ist mittlerweile so etwas wie ihre rechte Hand. Gitarrist Jens Nickel ist der erfahrenste Musiker der Band, der „Fels in der Brandung“, stilsicher und traditionsbewusst, hält zudem immer eine gute Idee parat. Keyboarder Nicolas Börger kommt eigentlich aus einer anderen musikalischen Ecke, liebt eher soulige Electro-Beats. Schlagzeuger Reiner „Kallas“ Hubert ist nicht nur an seinem Instrument ein Energiebündel, der Pop-Fan sorgt auch für gute Stimmung innerhalb der Band.

 

„Vagabund“ hat reichlich von diesen glückseligmachenden Momenten, in denen sich die Schönheit der Melodien und die Magie der geflügelten Worte verselbständigen und zu einem großartigen Popalbum voller Intensität und Intimität verbinden. Vagabund sollte man sich vielleicht gar nicht als Menschengestalt vorstellen, sondern als schönes Synonym für die Poesie von CÄTHE. Eine Poesie, die sich die Freiheit nimmt, uns an die Hand zu nehmen und uns im Fluss der Gedanken und Gefühle zu neuen Ufern zu führen. Weit weg ans Meer, bis in die hintersten Winkel der eigenen Seele oder hoch hinaus in den siebten Himmel – die Welt durchdringend.

 

 

„Vagabund“ erscheint am 2. Oktober 2015

Im November ist CÄTHE mit ihrer Band auf kleiner Clubtournee durch Deutschland.

Im Frühjahr 2016 folgt dann die große Deutschlandtournee.